§ 48b EStG einfach erklärt: Wer die Freistellungsbescheinigung braucht
§ 48b EStG regelt die Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugsteuer. Hier lesen Sie, wer sie braucht, was als Bauleistung gilt und wann die Bagatellgrenzen von 5.000 € und 15.000 € greifen – mit Gesetzestext in Alltagssprache und Rechenbeispiel.
Was ist §48b EStG?
Der §48b des Einkommensteuergesetzes (EStG) ist ein Gesetzesparagraf, der die Freistellungsbescheinigung von der sogenannten Bauabzugsteuer regelt; die Abzugspflicht selbst steht in § 48 Abs. 1 EStG. Er wurde eingeführt, um Steuerhinterziehung in der Baubranche zu bekämpfen – insbesondere bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten und Scheinselbstständigkeit.
Wie Antrag, Gültigkeit und Prüfung in der Praxis ablaufen, zeigt unser Guide zur Freistellungsbescheinigung für Bauleistungen.
Die Grundregel in einem Satz:
Wer als Unternehmer Bauleistungen von einem anderen Unternehmer bezieht, muss 15% der Vergütung einbehalten und an das Finanzamt abführen – außer, der Leistungserbringer hat eine gültige Freistellungsbescheinigung.
Paragraph 48b EStG kurz erklärt (auch „Paragraf 48 b“)
„Paragraph 48b“, „Paragraf 48b“, „Paragraph 48 b“ und „§ 48b EStG“ meinen dieselbe Vorschrift im Einkommensteuergesetz. Paragraph 48b regelt die Freistellungsbescheinigung: Auf Antrag des Leistenden — also des Bauunternehmers, der die Bauleistung erbringt — erteilt sein Finanzamt eine Bescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck, die den Auftraggeber (Leistungsempfänger) von der Pflicht zum Steuerabzug befreit (§ 48b Abs. 1 Satz 1 EStG). Den Steuerabzug selbst ordnet nicht Paragraph 48b an, sondern § 48 EStG. Zur Einordnung die Nachbarvorschriften:
| Vorschrift | Was sie regelt |
|---|---|
| § 48 EStG | Steuerabzug von 15 % der Gegenleistung bei Bauleistungen, Ausnahmen und Bagatellgrenzen |
| § 48a EStG | Verfahren: Anmeldung und Abführung durch den Auftraggeber, Abrechnung mit dem Leistenden, Haftung |
| § 48b EStG | Freistellungsbescheinigung: Antrag des Leistenden, Inhalt, Abfrage beim Bundeszentralamt für Steuern |
| § 48c EStG | Anrechnung des einbehaltenen Betrags beim Leistenden |
| § 48d EStG | Besonderheiten bei Doppelbesteuerungsabkommen |
Den Gesetzestext von Paragraph 48b mit Erläuterungen finden Sie weiter unten im Abschnitt §48b EStG im Wortlaut.
Warum wurde §48b EStG eingeführt?
In der Baubranche kam es in der Vergangenheit häufig zu Steuerhinterziehung. Besonders problematisch waren:
- Ausländische Unternehmen: Beauftragung von Firmen aus dem EU-Ausland, die in Deutschland keine Steuern zahlten
- Scheinfirmen: Briefkastenfirmen, die nach Auftragsabschluss verschwanden
- Schwarzarbeit: Nicht angemeldete Subunternehmer
Um sicherzustellen, dass Steuern tatsächlich gezahlt werden, führte der Gesetzgeber die Bauabzugsteuer ein. Das System funktioniert ähnlich wie die Quellensteuer bei Arbeitnehmern: Die Steuer wird direkt an der "Quelle" – also bei der Zahlung – einbehalten.
Wer ist von §48b EStG betroffen?
Leistungserbringer (Nachunternehmer)
Betroffen sind alle Unternehmen, die Bauleistungen erbringen:
- Bauunternehmen (Hoch-, Tief-, Straßenbau)
- Handwerksbetriebe (Elektriker, Installateure, Maler, etc.)
- Spezialfirmen (Gerüstbau, Abbruch, Estrichleger)
- Garten- und Landschaftsbauer (bei Bauwerken)
Leistungsempfänger (Auftraggeber)
Zur Einbehaltung verpflichtet sind:
- Bauunternehmen, die Nachunternehmer beauftragen
- Generalunternehmer
- Bauträger
- Gewerbliche Immobilienbesitzer bei Renovierungen
✓ Nicht betroffen sind:
- Privatpersonen (Eigenheimbesitzer)
- Auftraggeber, bei denen die Gegenleistung voraussichtlich höchstens 5.000 € (brutto) pro Kalenderjahr je Leistungserbringer beträgt — Bagatellgrenze nach §48 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG; maßgeblich ist das Entgelt zuzüglich Umsatzsteuer
- Vermieter mit höchstens zwei Wohnungen — für Bauleistungen an diesen Wohnungen entfällt die Abzugspflicht vollständig (§48 Abs. 1 Satz 2 EStG), unabhängig von jeder Betragsgrenze
- Auftraggeber, die ausschließlich steuerfreie Vermietungsumsätze nach §4 Nr. 12 Satz 1 UStG ausführen — für sie gilt die erhöhte Grenze von 15.000 € (brutto) pro Kalenderjahr je Leistungserbringer (§48 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG), unabhängig von der Zahl der Wohnungen
Was sind Bauleistungen im Sinne des §48b EStG?
Der Begriff "Bauleistung" ist in §48 Abs. 1 Satz 3 EStG definiert. Darunter fallen alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen.
Beispiele für Bauleistungen:
Hochbau
- Mauerwerksarbeiten
- Betonarbeiten
- Zimmererarbeiten
- Dachdeckerarbeiten
Ausbau
- Elektroinstallationen
- Sanitär- und Heizungsanlagen
- Fliesen-, Estrich-, Malerarbeiten
- Trockenbau
Tiefbau
- Straßenbau
- Kanalbau
- Erdarbeiten
- Fundamentarbeiten
Sonstige
- Gerüstbau
- Abbrucharbeiten
- Landschaftsbau (bei Bauwerken)
- Asbestsanierung
Keine Bauleistungen sind:
- Reine Planungsleistungen (Architekten, Statiker)
- Lieferungen ohne Montage (z.B. Baustofflieferung)
- Reine Wartungsverträge
- Gutachterleistungen
Wie funktioniert die Bauabzugsteuer?
Das System im Detail:
- Beauftragung: Industriebetrieb A, der selbst keine Bauleistungen erbringt, beauftragt Elektrobetrieb B mit Elektroarbeiten für 10.000 € netto (Rechnung 11.900 € inkl. 19 % USt; würde A selbst nachhaltig Bauleistungen erbringen, schuldete A die Umsatzsteuer nach § 13b Abs. 5 Satz 2 UStG und B rechnete netto ab)
- Prüfung: A fordert von B eine Freistellungsbescheinigung an
- Szenario 1 – Mit Freistellung:
- B legt gültige Freistellung vor
- A zahlt 11.900 € vollständig an B
- Keine Abführung ans Finanzamt erforderlich
- Szenario 2 – Ohne Freistellung:
- B hat keine oder abgelaufene Freistellung
- A behält 1.785 € ein – 15 % von 11.900 €, denn Gegenleistung ist das Entgelt zuzüglich Umsatzsteuer (§ 48 Abs. 3 EStG)
- A zahlt 10.115 € an B
- A meldet 1.785 € an und führt sie ans Finanzamt ab
- Der Betrag wird bei B auf seine Steuern angerechnet oder auf Antrag erstattet (§ 48c EStG)
⚠️ Achtung Haftung!
Wenn Sie als Auftraggeber die Bauabzugsteuer nicht einbehalten, obwohl keine gültige Freistellung vorliegt, haften Sie persönlich für die Steuer – inklusive Zinsen und Säumniszuschlägen!
Freistellungsbescheinigung: Die Lösung
Die Freistellungsbescheinigung ist der Schlüssel, um die Bauabzugsteuer zu vermeiden. Sie wird vom Finanzamt ausgestellt und befreit den Leistungserbringer von der 15%-Einbehaltung.
Voraussetzungen für die Freistellung:
- Ordnungsgemäße steuerliche Erfassung
- Keine Steuerrückstände
- Regelmäßige Abgabe von Steuererklärungen
- Gewerbeanmeldung
- Bei GmbH: Handelsregisterauszug
Gültigkeit:
- Längstens 3 Jahre, maßgeblich ist das Datum auf der Bescheinigung
- Rechtzeitige Verlängerung erforderlich (ca. 3 Monate vorher beantragen)
- Bearbeitungszeit: 4-8 Wochen
→ Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG online beantragen (ELSTER)
§13b vs. §48b EStG: Was ist der Unterschied?
Beide Paragraphen betreffen das Steuerrecht rund um Bauleistungen, regeln aber unterschiedliche Dinge. Wer das verwechselt, riskiert doppelte Fehler bei Rechnung und Meldung.
| Kriterium | §13b UStG | §48b EStG |
|---|---|---|
| Steuerart | Umsatzsteuer (Reverse-Charge) | Einkommen-/Körperschaftsteuer (Bauabzug) |
| Wer schuldet? | Leistungsempfänger schuldet USt | Leistungsempfänger behält 15% ein |
| Prozentsatz | 19% (USt-Schuld wechselt) | 15% Bauabzugsteuer |
| Befreiung möglich? | Nein — Pflicht für Bauleistungen zwischen Bauunternehmen | Ja — durch Freistellungsbescheinigung |
| Zweck | Verhinderung von USt-Ausfällen | Sicherung der Einkommensteuer |
Kurzfassung: §13b UStG betrifft die Umsatzsteuer zwischen zwei Bauunternehmen — die Rechnung wird netto ausgestellt, der Empfänger meldet die USt selbst an (Reverse-Charge). §48b EStG betrifft dagegen die Einkommensteuer — der Auftraggeber muss 15% der Zahlung ans Finanzamt abführen, es sei denn, es liegt eine gültige Freistellungsbescheinigung vor. Beide Regelungen können gleichzeitig greifen.
Die Bagatellgrenzen: 5.000 € und 15.000 €
§48 Abs. 2 EStG sieht zwei Bagatellgrenzen vor, bei deren Unterschreitung keine Bauabzugsteuer einbehalten werden muss:
- 5.000 € (brutto) pro Kalenderjahr und Leistungserbringer — Standardgrenze für gewerbliche Auftraggeber (§48 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG)
- 15.000 € (brutto) pro Kalenderjahr und Leistungserbringer — erhöhte Grenze für Auftraggeber, die ausschließlich steuerfreie Vermietungsumsätze nach §4 Nr. 12 Satz 1 UStG ausführen (§48 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG) (typischerweise reine Wohnungsvermieter)
⚠️ Wichtig: Jahresbetrachtung!
Die Beträge gelten pro Kalenderjahr und Leistungserbringer (Nachunternehmer) – nicht pro Auftrag! Mehrere kleine Aufträge summieren sich. Maßgeblich ist die voraussichtlich im laufenden Kalenderjahr zu erbringende Gegenleistung. Überwachen Sie das Jahresvolumen kontinuierlich.
Beispiel:
Sie beauftragen Elektriker Müller im Jahr 2025 mit folgenden Aufträgen:
- Januar: 2.000 € (keine Bauabzugsteuer)
- März: 1.500 € (keine Bauabzugsteuer)
- Juni: 2.000 € (Summe: 5.500 € → Bauabzugsteuer fällig!)
Pflichten als Auftraggeber
Als Auftraggeber haben Sie folgende Pflichten:
- Prüfpflicht: Vor jeder Zahlung Gültigkeit der Freistellung prüfen
- Dokumentationspflicht: Kopien der Freistellungen aufbewahren
- Meldepflicht: Einbehaltene Bauabzugsteuer bis zum 10. des Folgemonats ans Finanzamt melden und abführen
- Bescheinigungspflicht: Dem Nachunternehmer eine Bescheinigung über die einbehaltene Steuer ausstellen
Strafen bei Verstößen
Verstöße gegen §48b EStG können teuer werden:
Mögliche Konsequenzen:
- Haftung: Nachzahlung der nicht einbehaltenen Steuer
- Säumniszuschläge: 1 % je angefangenen Monat (§ 240 AO)
- Hinterziehungszinsen: 0,5 % pro Monat, nur bei Steuerhinterziehung (§§ 235, 238 AO)
- Bußgeld: bis zu 25.000 € wegen Gefährdung der Abzugsteuern (§ 380 AO), bei leichtfertiger Steuerverkürzung bis zu 50.000 € (§ 378 AO)
- Strafverfahren: bei vorsätzlicher Steuerhinterziehung (§ 370 AO)
Praxis-Tipps für Bauunternehmer
✓ Tipp #1: Frühzeitig beantragen
Beantragen Sie Ihre Freistellung sofort nach der Gewerbeanmeldung. Die Bearbeitung dauert 4-8 Wochen!
✓ Tipp #2: Ablaufdatum überwachen
Richten Sie Erinnerungen 90, 60 und 30 Tage vor Ablauf ein. Die Verlängerung dauert genauso lange wie der Erstantrag.
✓ Tipp #3: Digitale Verwaltung nutzen
Software spart Zeit bei Prüfung und Überwachung. OCR-Erkennung erfasst Freistellungen automatisch.
✓ Tipp #4: Vertragsklauseln vereinbaren
Verpflichten Sie Nachunternehmer vertraglich zur rechtzeitigen Vorlage verlängerter Freistellungen.
Freistellungsbescheinigung für ausländische Unternehmen
Der Steuerabzug knüpft an den Ort der Bauleistung an, nicht an den Sitz des Leistenden: Wer im Inland eine Bauleistung an einen Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts erbringt, fällt unter §48 Abs. 1 Satz 1 EStG — auch wenn er im Ausland ansässig ist. Für die Erteilung der Freistellungsbescheinigung an ausländische Leistende gelten nach dem BMF-Schreiben zum Steuerabzug bei Bauleistungen die Grundsätze, die auch für Inländer gelten (Rn. 36). Einige Punkte sind trotzdem anders.
Voraussetzungen nach §48b Abs. 1 EStG
- Steueranspruch nicht gefährdet: Das Finanzamt erteilt die Bescheinigung, wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint. Das BMF versteht darunter, dass der Leistende seine steuerlichen Pflichten im Inland ordnungsgemäß erfüllt (Rn. 28).
- Inländischer Empfangsbevollmächtigter: Das Gesetz verlangt, dass ein inländischer Empfangsbevollmächtigter bestellt ist. Für Leistende mit Wohnsitz, Sitz, Geschäftsleitung oder gewöhnlichem Aufenthalt in einem EU-Mitgliedstaat oder einem EWR-Staat ist die Bestellung nach dem BMF-Schreiben keine Voraussetzung für die Erteilung (Rn. 28).
- Nachweis der steuerlichen Ansässigkeit: Erbringt der Leistende keine Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde über seine Ansässigkeit, kommt eine Gefährdung in Betracht (§48b Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 EStG). In der Regel genügt die Bestätigung der steuerlichen Erfassung im Ansässigkeitsstaat; in Zweifelsfällen kann das Finanzamt eine qualifizierte Ansässigkeitsbescheinigung verlangen, die auch den Ort der Geschäftsleitung bestätigt (Rn. 31).
Zuständiges Finanzamt
Inländische Leistende stellen den Antrag bei ihrem Finanzamt — bei natürlichen Personen das Wohnsitzfinanzamt, bei Gesellschaften das Finanzamt am Ort der Geschäftsleitung (Rn. 97). Für Leistende mit Wohnsitz, Sitz oder Geschäftsleitung im Ausland gilt dagegen eine zentrale Zuständigkeit je Ansässigkeitsstaat (Rn. 98; §20a Abs. 1 Satz 1 AO in Verbindung mit §21 Abs. 1 Satz 2 AO und der Umsatzsteuerzuständigkeitsverordnung). Dieses Finanzamt erteilt oder versagt die Freistellungsbescheinigung und ist auch für die Anmeldung und Abführung des Steuerabzugs sowie für Anrechnung und Erstattung nach §48c EStG zuständig (Rn. 98). Beispiele aus §1 Abs. 1 der Umsatzsteuerzuständigkeitsverordnung:
- Österreich und Italien: Finanzamt München
- Tschechien, Slowakei und Rumänien: Finanzamt Chemnitz-Süd
- Niederlande: Finanzamt Kleve
- Polen: je nach Anfangsbuchstabe des Nach- oder Firmennamens das Finanzamt Hameln-Holzminden, Oranienburg, Cottbus oder Nördlingen
- Staaten, die die Verordnung nicht einzeln nennt: Finanzamt Berlin International (§1 Abs. 2)
Unterschiede zum inländischen Antrag
| Punkt | Leistender im Inland | Leistender im Ausland |
|---|---|---|
| Zuständiges Finanzamt | Wohnsitz- bzw. Geschäftsleitungsfinanzamt (Rn. 97) | Zentral zuständiges Finanzamt je Staat (Rn. 98, Umsatzsteuerzuständigkeitsverordnung) |
| Empfangsbevollmächtigter im Inland | Rn. 28 nennt die Bestellung nur für Leistende ohne Wohnsitz, Sitz, Geschäftsleitung oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland | nach §48b Abs. 1 Satz 1 EStG erforderlich; bei Sitz in EU oder EWR keine Voraussetzung (Rn. 28) |
| Ansässigkeitsnachweis | entfällt | Bescheinigung der ausländischen Steuerbehörde (§48b Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 EStG, Rn. 31) |
| Geltungsdauer | befristet, längstens drei Jahre, oder auftragsbezogen (Rn. 35) | wie im Inland; bei nur vorübergehender Tätigkeit im Inland soll sie auftragsbezogen erteilt werden (Rn. 37) |
Ist ein deutsches Besteuerungsrecht nicht auszuschließen und nähert sich die Laufzeit der Werkverträge der Frist, nach der ein Doppelbesteuerungsabkommen eine inländische Betriebsstätte begründet, kann das Finanzamt die Bescheinigung ablehnen oder ggf. nur mit kurzer Dauer erteilen (Rn. 34). Was bei einem Doppelbesteuerungsabkommen für den Steuerabzug selbst gilt, steht in den häufig gestellten Fragen unten.
Quellen: §§48, 48b EStG; BMF-Schreiben „Steuerabzug von Vergütungen für im Inland erbrachte Bauleistungen (§§ 48 bis 48d EStG)“ vom 19. Juli 2022, GZ IV C 8 - S 2272/19/10003 :002, Randnummern wie angegeben; §1 Umsatzsteuerzuständigkeitsverordnung (gesetze-im-internet.de). Abgerufen am 6. Oktober 2026.
Häufig gestellte Fragen
Was steht in Paragraph 48b EStG (Paragraf 48 b)?
Paragraph 48b EStG — auch als „Paragraf 48 b“ oder „§ 48b“ geschrieben — regelt die Freistellungsbescheinigung: Auf Antrag des Leistenden erteilt das für ihn zuständige Finanzamt eine Bescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck, die den Leistungsempfänger von der Pflicht zum Steuerabzug befreit (§ 48b Abs. 1 Satz 1 EStG). Die Bescheinigung nennt Name, Anschrift und Steuernummer des Leistenden, die Geltungsdauer, den Umfang der Freistellung und das ausstellende Finanzamt (§ 48b Abs. 3 Satz 1 EStG). Der Steuerabzug selbst steht in § 48 EStG, das Verfahren in § 48a EStG.
Was regelt §48b EStG?
§48b EStG regelt die Freistellungsbescheinigung. Die Pflicht, 15 % der Gegenleistung einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen, steht in § 48 Abs. 1 EStG; eine Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG befreit den Leistungsempfänger von dieser Pflicht.
Wann muss ich keine Bauabzugsteuer einbehalten?
Sie müssen keine Bauabzugsteuer einbehalten, wenn: 1) Der Nachunternehmer eine gültige Freistellungsbescheinigung hat, 2) Die Gegenleistung an denselben Auftragnehmer im Kalenderjahr voraussichtlich 5.000 € brutto (Entgelt zuzüglich Umsatzsteuer) nicht übersteigt – 15.000 €, wenn Sie ausschließlich steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 12 Satz 1 UStG ausführen (§ 48 Abs. 2 Satz 1 EStG), 3) Sie nicht mehr als zwei Wohnungen vermieten und die Bauleistung für diese Wohnungen erbracht wird (§ 48 Abs. 1 Satz 2 EStG), oder 4) Sie nicht als Unternehmer, sondern als Privatperson beauftragen. Öffentliche Auftraggeber sind dagegen nicht ausgenommen: Juristische Personen des öffentlichen Rechts sind nach § 48 Abs. 1 Satz 1 EStG ausdrücklich zum Steuerabzug verpflichtet.
Was passiert bei Verstoß gegen die Abzugspflicht (§ 48 EStG)?
Bei Verstoß haften Sie als Auftraggeber für die nicht oder zu niedrig abgeführte Bauabzugsteuer (§ 48a Abs. 3 EStG). Zusätzlich können Säumniszuschläge, Zinsen und Bußgelder anfallen. Im schlimmsten Fall droht sogar Steuerhinterziehung.
Brauchen ausländische Unternehmen eine Freistellungsbescheinigung?
Für ausländische Nachunternehmer gilt dieselbe Regel: Erbringt jemand im Inland eine Bauleistung an einen Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts, muss der Leistungsempfänger 15 % der Gegenleistung einbehalten (§ 48 Abs. 1 Satz 1 EStG) – es sei denn, der Leistende legt eine im Zeitpunkt der Gegenleistung gültige Freistellungsbescheinigung vor oder die Gegenleistung wird im laufenden Kalenderjahr die Beträge des § 48 Abs. 2 Satz 1 EStG voraussichtlich nicht übersteigen. Das Finanzamt erteilt die Bescheinigung, wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint und ein inländischer Empfangsbevollmächtigter bestellt ist (§ 48b Abs. 1 Satz 1 EStG). Eine Gefährdung kommt insbesondere in Betracht, wenn der Leistende den Nachweis der steuerlichen Ansässigkeit durch Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde nicht erbringt (§ 48b Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 EStG). Auch wenn die Einkünfte nach einem Doppelbesteuerungsabkommen nicht besteuert werden können, wird der Steuerabzug vorgenommen; der Anspruch auf Erstattung bleibt unberührt und ist durch Antrag nach § 48c Abs. 2 EStG geltend zu machen, wobei die Ansässigkeit durch eine Bestätigung der Steuerbehörde des anderen Staates nachzuweisen ist (§ 48d Abs. 1 Satz 1 bis 4 EStG).
§48b EStG im Wortlaut
§48b EStG trägt den amtlichen Titel „Freistellungsbescheinigung“ und regelt, unter welchen Voraussetzungen das Finanzamt einen Leistungsempfänger vom Steuerabzug nach §48 EStG befreit. Der Gesetzestext im Original, Absatz für Absatz:
§48b Abs. 1 Satz 1 EStG:
„Auf Antrag des Leistenden hat das für ihn zuständige Finanzamt, wenn der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint und ein inländischer Empfangsbevollmächtigter bestellt ist, eine Bescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck zu erteilen, die den Leistungsempfänger von der Pflicht zum Steuerabzug befreit.“
In Alltagssprache: Sie stellen den Antrag bei Ihrem zuständigen Finanzamt. Erteilt wird die Bescheinigung, wenn Ihr Steueranspruch nicht gefährdet ist — insbesondere, wenn Sie Anzeige-, Auskunfts- und Mitwirkungspflichten erfüllen. Leistende ohne Wohnsitz, Sitz, Geschäftsleitung oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland brauchen nach dem Gesetz zusätzlich einen inländischen Empfangsbevollmächtigten; liegt einer dieser Anknüpfungspunkte in einem EU- oder EWR-Staat, ist er nach dem BMF-Schreiben keine Voraussetzung (Rn. 28). Den Antrag stellt der Leistende, also der Nachunternehmer; befreit wird sein Auftraggeber, der Leistungsempfänger. Der Antrag bedarf keiner Form (Rn. 28).
§48b Abs. 1 Satz 2 EStG:
„Eine Gefährdung kommt insbesondere dann in Betracht, wenn der Leistende 1. Anzeigepflichten nach § 138 der Abgabenordnung nicht erfüllt, 2. seiner Auskunfts- und Mitwirkungspflicht nach § 90 der Abgabenordnung nicht nachkommt, 3. den Nachweis der steuerlichen Ansässigkeit durch Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde nicht erbringt.“
In Alltagssprache: Das sind Beispiele, wann das Finanzamt die Bescheinigung versagen kann — etwa wenn ein Betrieb nicht angemeldet ist oder Auskünfte verweigert. Nummer 3 betrifft nur im Ausland ansässige Leistende. Die Liste ist nicht abschließend: Auch nachhaltige oder wiederholte Steuerrückstände, unzutreffende Angaben in Steuererklärungen oder wiederholt verspätete Erklärungen können eine Gefährdung begründen; dann kommt auch eine Bescheinigung mit kurzer Geltungsdauer oder nur für einen Auftrag in Betracht (Rn. 32).
§48b Abs. 2 EStG:
„Eine Bescheinigung soll erteilt werden, wenn der Leistende glaubhaft macht, dass keine zu sichernden Steueransprüche bestehen.“
In Alltagssprache: Gemeint sind Fälle, in denen der Steuerabzug gar nichts zu sichern hätte — nach dem BMF-Schreiben etwa, wenn mit großer Wahrscheinlichkeit kein Gewinn entsteht (z. B. bei Existenzgründern) oder ein ausländischer Leistender nur kurzzeitig im Inland tätig wird und hier nicht steuerpflichtig ist. Der Leistende muss das glaubhaft machen (Rn. 33).
§48b Abs. 3 Satz 1 EStG:
„In der Bescheinigung sind anzugeben: 1. Name, Anschrift und Steuernummer des Leistenden, 2. Geltungsdauer der Bescheinigung, 3. Umfang der Freistellung sowie der Leistungsempfänger, wenn sie nur für bestimmte Bauleistungen gilt, 4. das ausstellende Finanzamt.“
In Alltagssprache: Das sind genau die vier Angaben, die Sie beim Prüfen einer fremden Bescheinigung abgleichen — Name und Steuernummer, Gültigkeitsdauer, Umfang der Freistellung und das ausstellende Finanzamt.
§48b Abs. 3 Satz 2 EStG:
„Der Antragsteller ist über die Verarbeitung der in Satz 1 genannten Daten durch das Bundeszentralamt für Steuern gemäß Absatz 6 zu informieren.“
In Alltagssprache: Wer die Bescheinigung beantragt, erfährt, dass die vier Angaben aus Satz 1 beim Bundeszentralamt für Steuern gespeichert werden. Sie sind die Grundlage für die Online-Abfrage nach Absatz 6.
§48b Abs. 4 EStG:
„Wird eine Freistellungsbescheinigung aufgehoben, die nur für bestimmte Bauleistungen gilt, ist dies den betroffenen Leistungsempfängern mitzuteilen.“
In Alltagssprache: Gilt eine Bescheinigung nur für einen bestimmten Auftrag und wird sie aufgehoben, informiert das Finanzamt den Auftraggeber. Bei einer befristeten, nicht auf einen Auftrag beschränkten Bescheinigung kommt eine Haftung des Auftraggebers nach einem Widerruf nur in Betracht, wenn ihm der Widerruf bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht bekannt war (Rn. 77).
§48b Abs. 5 EStG:
„Wenn eine Freistellungsbescheinigung vorliegt, gilt § 48 Absatz 4 entsprechend.“
In Alltagssprache: Liegt dem Auftraggeber eine im Zeitpunkt der Gegenleistung gültige Bescheinigung vor, sind § 160 Abs. 1 Satz 1 AO, § 42d Abs. 6 und 8 EStG und § 50a Abs. 7 EStG nicht anzuwenden. Der Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug für diese Zahlung wird also nicht versagt — genauso, als hätte er den Steuerabzug angemeldet und abgeführt (Rn. 94). Das gilt nur, wenn tatsächlich eine Bauleistung im Sinne von §48 Abs. 1 EStG vorliegt (Rn. 95).
§48b Abs. 6 EStG:
„Das Bundeszentralamt für Steuern speichert die Daten nach Absatz 3 Satz 1. Es erteilt dem Leistungsempfänger im Sinne des § 48 Absatz 1 Satz 1 im Wege einer elektronischen Abfrage Auskunft über die beim Bundeszentralamt für Steuern gespeicherten Freistellungsbescheinigungen.“
In Alltagssprache: Als Auftraggeber können Sie die Gültigkeit einer vorgelegten Bescheinigung online beim Bundeszentralamt für Steuern prüfen. Wer die Gültigkeit im Zeitpunkt der Gegenleistung so oder per Anfrage beim ausstellenden Finanzamt geprüft hat, handelt nach dem BMF-Schreiben in der Regel nicht grob fahrlässig (Rn. 72).
Quelle: §48b EStG in der Fassung von gesetze-im-internet.de, abgerufen am 6. Oktober 2026. Randnummern (Rn.) in den Erläuterungen: BMF-Schreiben „Steuerabzug von Vergütungen für im Inland erbrachte Bauleistungen (§§ 48 bis 48d EStG)“ vom 19. Juli 2022, GZ IV C 8 - S 2272/19/10003 :002. Rechtsstand kann sich ändern — im Zweifel gilt die aktuelle Fassung des Gesetzes, nicht diese Zusammenfassung.
§48b in Zahlen: ein Rechenbeispiel
Wie sich die Bauabzugsteuer nach §48 Abs. 1 EStG konkret auswirkt, zeigt ein durchgerechnetes Beispiel. Bemessungsgrundlage ist nach §48 Abs. 3 EStG die Gegenleistung — also das Entgelt zuzüglich Umsatzsteuer, nicht nur der Nettobetrag.
| Posten | Ohne Freistellungsbescheinigung | Mit gültiger Freistellungsbescheinigung |
|---|---|---|
| Auftragswert (netto) | 20.000 € | 20.000 € |
| zzgl. 19 % USt. | 3.800 € | 3.800 € |
| Gegenleistung (§48 Abs. 3 EStG) | 23.800 € | 23.800 € |
| Steuerabzug (15 % der Gegenleistung) | 3.570 € | entfällt |
| Auszahlung an den Leistenden | 20.230 € | 23.800 € |
Ohne Bescheinigung behält der Auftraggeber 3.570 € ein und führt sie ans Finanzamt ab; der Leistende bekommt sie erst über seine eigene Steuerveranlagung zurück. Mit gültiger Freistellungsbescheinigung entfällt der Einbehalt vollständig — der Leistende erhält die volle Gegenleistung sofort.
→ Eigene Zahlen durchrechnen: Bauabzugsteuer-RechnerFazit: §48b EStG im Griff
Der §48b EStG ist komplex, aber mit den richtigen Prozessen gut zu handhaben. Die wichtigsten Punkte:
- Als Leistungserbringer: Frühzeitig Freistellung beantragen und Ablauf überwachen
- Als Auftraggeber: Gültigkeit vor jeder Zahlung prüfen und dokumentieren
- Die 5.000 € Bagatellgrenze gilt pro Kalenderjahr – Jahresvolumen tracken!
- Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen und Haftung
- Digitale Tools erleichtern Verwaltung und minimieren Risiken
Freistellungen digital verwalten
Automatische Erinnerungen, OCR-Erkennung und Ampel-System – testen Sie den Freistellungs-Manager direkt in der Live-Demo.
Demo anfordernFreistellungsmanager
Sicherstellen, dass keine Freistellungsbescheinigung abläuft?
Der Freistellungsmanager überwacht Fristen automatisch und erinnert Sie 60, 30 und 14 Tage vor Ablauf — ohne Excel, ohne manuelle Kontrolle.
Demo anfordernOhne Anmeldung · Keine Kreditkarte · 30 Tage Geld-zurück-Garantie